Richtige Entscheidungen treffen – wie weiß ich, was ich tun soll?

GEPRÜFT DURCH | STEFANIE STAHL & LUKAS KLASCHINSKI VERÖFFENTLICHT | 26.04.2023

Schon ganz früh am Morgen geht es los, – das Entscheiden. „Stehe ich auf oder bleibe ich noch liegen?“ Eine Entscheidung, die viele von uns jeden Morgen zum Verzweifeln bringt. „Das Bett ist doch so gemütlich, aber ich muss eigentlich zur Arbeit.“ Diese und viele andere Entscheidungen müssen täglich, stündlich, wenn nicht sogar noch öfter getroffen werden. Dabei fallen uns manche Abwägungen leichter als andere. Aber wieso fällt es manchen Menschen leichter, sich zu entscheiden? Entscheiden wir eher nach dem Bauch oder nach dem Kopf und was ist besser? Wie treffe ich gute Entscheidungen? Wieso fällt es mir so schwer Entscheidungen zu treffen?

Das Problem mit den Entscheidungen

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Eine Entscheidung ist die bewusste Wahl zwischen zwei oder mehreren möglichen Handlungsoptionen. Das klingt erstmal gar nicht so kompliziert: Wir haben verschiedene Auswahlmöglichkeiten und suchen uns die aus, die am besten für uns passen. Aber ganz so einfach ist es leider nicht. Entscheidungen haben nämlich immer mit einer Unsicherheit zu tun, da wir nicht wissen können, wie unser Leben verlaufen würde, wenn wir uns anders entscheiden würden. Es ist nicht möglich, alle Optionen, alle Vor- und Nachteile abzuwägen oder zu überblicken. Wir können uns zwar ausmalen, welchen Einfluss die eine oder andere Option haben würde, aber wissen können wir es nicht. Allerdings steckt noch mehr dahinter. Denn es fällt manchen Menschen schwerer, sich zu entscheiden als anderen.

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Warum fällt es mir so schwer, mich zu entscheiden?

Unterschiede bei der Art, wie Entscheidungen sich für uns anfühlen bzw. wie wir Entscheidungen treffen, hängen mit unserer Persönlichkeit und unseren Prägungen zusammen. Hier kommt wieder die Bedeutung unseres Epizentrums der Seele zum Vorschein – unseres Selbstwertgefühls. Menschen, die kein gutes Selbstwertgefühl haben, die nicht von sich denken, dass sie grundsätzlich ok sind, wie sie sind, haben große Schwierigkeiten damit, Entscheidungen zu treffen. Für sie bedeutet eine falsche Entscheidung viel mehr als ein eventueller Geldverlust oder die Enttäuschung von Erwartungen. Es bedeutet, dass sie nicht ok sind. Es bedeutet, mal wieder versagt zu haben. So baut sich bei anstehenden Entscheidungen ein großer Druck auf. Dazu kann es kommen, wenn Menschen als Kinder immer wieder kritisiert oder verbessert wurden. Keine Verantwortung übernommen zu haben oder unter Perfektionismus zu leiden, können auch Ursachen für die Schwere der Entscheidungsfindung sein. Aber es liegt nicht nur an uns, sondern auch an den Umständen, unter denen entschieden werden muss. Gibt es zu viele Optionen, aus denen wir auswählen können, fühlen wir uns überfordert und die Entscheidung fällt uns schwer. Das kennen sicher die meisten aus Restaurants mit einer sehr großen Karte. Andersherum führen zu wenige Optionen auch zu Schwierigkeiten, weshalb die goldene Mitte am besten funktioniert. So sind genug Möglichkeiten abgebildet, sodass wir uns mit einem guten Gefühl für eine entscheiden können, aber auch nicht zu viele, um überfordert zu sein.

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Wie treffen wir Entscheidungen?

Lange galt die Theorie der rationalen Entscheidungen, nach der wir bei der Auswahl einer Option den Nutzen für uns maximieren und die Kosten minimieren. Da wir aber kognitiv nicht in der Lage sind, alle Optionen zu überblicken und abzuwägen, wurde diese Theorie von einer anderen ersetzt. Die „Satisfying-Rule“, also die befriedigende Regel, besagt, dass wir uns vor einer Entscheidung überlegen, welche Ansprüche für uns erfüllt werden müssen. Auf Basis dieser wählen wir die Optionen aus, die diese Ansprüche befriedigen und entscheiden dann. Zum Beispiel können wir uns bei der Wohnungssuche nicht alle Berliner Wohnungen angucken, um die perfekte zu finden. Stattdessen bewerben wir uns auf die, die nach unseren Kriterien passen könnten und entscheiden uns zwischen denen. Wobei das Beispiel momentan ein bisschen hinkt, weil man froh sein kann, überhaupt eine zu bekommen, aber das Prinzip ist hoffentlich trotzdem deutlich geworden.

Entscheiden wir wirklich selbst?

Es gibt zahlreiche Verzerrungen, denen unsere Entscheidungen unterliegen. Wir beziehen also in unsere Entscheidungen unbewusst vieles ein, was im Außen passiert, selbst wenn wir das Gefühl haben, die Entscheidung ganz allein getroffen zu haben. Einige dieser Verzerrungen sind die Folgenden:

1 

Ankereffekt

Wir lassen uns durch bestimmte Umgebungsinfos sogenannte „Anker“ beeinflussen, z.B. Wenn ich geplant hatte, nach einer Show 2-3 Euro Trinkgeld zu geben, der*die Künstler:in aber sagt, dass der*die Durchschnittsbesucher:in 12 Euro Trinkgeld gibt, dann wird mein Trinkgeld wahrscheinlich höher ausfallen.

2 

Besitztumseffekt

Wenn wir etwas selbst besitzen, wird es als wertvoller bewertet, z.B. bewerten wir unser eigenes Haus alt wertvoller, auch wenn objektive Zahlen dagegensprechen.

3 

Default-Effekt

Wir bevorzugen voreingestellte Optionen. Zum Beispiel entscheiden sich mehr Leute dazu, ihre Organe zu spenden, wenn sie sich aktiv dagegen und nicht dafür entscheiden müssen.

4 

Eskalierendes Commitment

Wir neigen dazu, einer getroffenen Entscheidung gegenüber loyal zu sein, auch wenn sie zum eigenen Nachteil ist. Zum Beispiel in einer nicht mehr funktionierenden Beziehung bleiben, weil man schon so lange zusammen ist.

5 

Kontrasteffekt

Eine Option wird in Kombination mit einer gegenteiligen Option als intensiver wahrgenommen, z.B. Ich kaufe einen Pullover, der 10€ teurer ist, weil mir gleichzeitig ein Pullover präsentiert wird, der 200€ teurer ist.


Bauch vs. Kopf

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„Bauch sagt zu Kopf ja. Kopf sagt zu Bauch nein.“ Wie Mark Foster so passend singt, sind sich unser Bauch und Kopf bei Entscheidungen oft uneinig. Aber auf was sollten wir dann hören? Leider ist das nicht so einfach zu beantworten. Es gibt Entscheidungen, bei denen das eine und solche, bei denen das andere besser ist. Generell bezieht sich unser Bauchgefühl eher auf alte Prägungen. Als Spiegel unserer Erfahrungen bedeutet das Gefühl im Bauch letztendlich, dass wir eine ähnliche Situation schon mal hatten, die gut ausgegangen ist oder eben nicht. Das bedeutet aber nicht, dass es dieses Mal genauso sein muss. Unser Kopf ist da etwas rationaler und bezieht auf gedanklicher Ebene ein, was für oder gegen bestimmte Optionen spricht. Die Lösung liegt, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Zwar gibt es Fälle bei denen eher nach dem Kopf entschieden werden sollte, wie bei dem Kauf eines Autos, während bei der Liebe der Bauch eine sehr wichtige Rolle spielt, aber: Wir sollten auf beides hören, beides einbeziehen und können zusätzlich noch bestimmte Methoden verwenden, die uns helfen können. Welche das sind, haben wir für euch zusammengetragen.

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Wie kann ich besser Entscheidungen treffen?

Durch verschiedene Methoden können wir uns Entscheidungen erleichtern. Dafür müssen nicht alle angewendet werden. Jede Person kann für sich ausprobieren, was für sie gut funktioniert. Zuerst ist es hilfreich, sich die oben beschriebenen Entscheidungsverzerrungen vor Augen zu führen. Sind diese uns bewusst, können wir uns auch aktiv dagegen wehren, ihnen zu verfallen und die für uns beste Option auswählen. Um nicht durch zu viele Optionen überfordert zu sein, können wir diese vor der Entscheidung bewusst reduzieren. Dafür können wir die Optionen aussortieren, die wir am ehesten ausschließen. Wir können auch Beratung heranziehen, am besten von zwei ausgewählten Personen, wobei die eine Person einem eher vertraut- und die andere eine konträre Sichtweise auf das Thema haben sollte. So haben wir zwei verschiedene Meinungen von außen und können für uns abwägen. Natürlich kann auch die klassische Pro- und Kontra-Liste genutzt werden.

Wem das zu langweilig ist, der*die kann die Argumente zusätzlich noch mit Wichtigkeitsfaktoren bewerten. Viele Entscheidungen müssen nicht sofort getroffen werden. Vor allem bei wichtigen, vielleicht sogar lebensverändernden Entscheidungen können wir uns Zeit lassen und auch noch ein oder mehrmals darüber schlafen. Fangen wir aber an zu Grübeln und die Gedanken drehen sich nur noch im Kreis, sollten wir nicht länger warten und die Entscheidung treffen. Mit der Schreibchen-Methode können große Entscheidungen in viele kleine unterteilt werden. Statt sich zu fragen, was man werden möchte, kann man sich zum Beispiel fragen, ob man intellektuell oder handwerklich arbeiten will. Klassisch kann auch der gute alte Münzwurf helfen. Teilen wir eine Seite der Münze einer Alternative zu und werfen sie, bemerken wir oft, welche Option wir uns insgeheim wünschen, noch bevor die Münze den Boden berührt.

Um Entscheidungen allgemein treffen zu können, ist es wichtig, mit sich selbst im Kontakt zu sein. Das ist bei vielen Schwierigkeiten des Lebens der Schlüssel. Wissen wir, was wir wollen und wofür wir stehen, können wir das auch kommunizieren und danach handeln. Abschließend lässt sich also sagen, wir müssen uns selbst kennen und für uns einstehen, um gute Entscheidungen für uns selbst zu treffen und bestimmte Methoden können uns dabei helfen.

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